Das Kloster Maulbronn

Nennt man die Namen der schönsten, größten und bedeutensten Klöster in Europa, so zählt Maulbronn ohne Frage mit dazu - 1993 wurde es von der Unseco zum Weltkulturerbe erklärt. Es ist die besterhaltenste mittelalterliche Klosteranlagen nördlich der Alpen.

Die Geschichte des Klosters Maulbronn

Gegründet wurde das Zisterzienserkloster 1147 mit Unterstützung des Speyerer Bischofs Günther von Henneberg. Als "Sponsor" des Klosters hatte er auch das Privileg dort begraben zu werden. Der Grabstein befindet sich heute in der Pfarrkirche.

Ihren ursprünglichen Namen "Mulenbrunnen" verdankt die Anlage nach der Gründungssage einem Maultier, das die aus dem Elsass stammenden Mönche ausgesandt hatten, um einen besseren, wasserreicheren Platz zu finden, als es der ursprünglich vorgesehene Gründungsort Eckersweiher war. Im Salzachtal wurde das Maultier fündig. Das Wasser war für die Zisterziensermönche schon allein deshalb überlebenswichtig, weil ihre Ordensregel den Verzehr den Verzehr vierbeiniger Tiere verbot und sie sich vor allem von Fischen ernährten. Etliche Fischweiher in der näheren und weiteren Umgebung  des Klosters sind das Werk der Maulbronner Mönche, so z.B. der Tiefe See oder der Aalkistensee.

Die Anlage entwickelte sich schnell zu einem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Zentrum in der Gegend.

Das Kloster stand ab 1156 unter kaiserlicher Schirmvogtei. Noch im Jahr 1232 wurde die kaiserliche Vogtei bestätigt. Der Konvent wählte dann jedoch den Bischof von Speyer zum Beschützer der Abtei. Dieser scheint die Vogtei dann als Untervogtei seinem Ministerialen Heinrich von Enzberg verliehen zu haben, der ab 1236 als Schirmer der Abtei urkundlich fassbar wird. Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von teilweise gewaltsamen Streitigkeiten mit den Herren von Enzberg, die versuchten, ihre Vogtei über das Kloster zum Ausbau der eigenen Position zu nutzen. Ab 1325 wurden die Pfalzgrafen bei Rhein mit der Schirmvogtei betraut. Im Jahr 1504 belagerte Herzog Ulrich von Württemberg im Laufe des bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieges das Kloster, das nach siebentägiger Belagerung an die Württemberger fiel. Damit neigte sich die vierhundertjährige Geschichte als Zisterzienserkloster ihrem Ende zu. Denn die sich der Reformation anschließenden württembergischen Herzöge Ulrich und später Christoph wandeln das Kloster 1556 in eine evangelische Klosterschule zur Pfarrerausbildung um , die als Evangelisches Seminar bis heute existiert.

Die Liste berühmt gewordener Schüler, die in dem altsprachlich ausgerichteten Gymnasium ist lang. Der große Astronom Johannes Kepler gehörte ebenso zu den Maulbronner Zöglingen wie der Dichter Friedrich Hölderin. Hermann Hesse war, wenn auch nur für kurze Zeit, Schüler in Maulbronn. Die repressive Atmosphäre der Knabenschule hat er in seiner autobiographisch gefärbten Erzählung "Unterm Rad" eindrucksvoll beschrieben.

Die Klosteranlage ist heute fast ausschließlich im Besitz des Landes Baden-Württemberg und wird von der Einrichtung Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut. Die Stadt Maulbronn nutzt ein Klostergebäude als Rathaus. Durch die Ernennung zum Weltkulturerbe ist die Anlage weltweit bekannt und zieht internationale Besucher an. Regelmäßig werden Klosterkonzerte veranstaltet, die die Akustik der Klosterbauten zur Geltung bringen.

Die Anlage

Der Klosterhof

Der Wirtschafts- und Verwaltungshof nimmt mehr als die Hälfte der Klosteranlage ein. Er ist von den warmtonigen Fassaden der frühen Steinbauten, aber auch von Fachwerkhäusern aus verschiedenen Jahrhunderten geprägt. So weitläufig wie heute war der Klosterhof früher keineswegs: Im 18. Jahrhundert riss man die mittelalterliche die innere Befestigungsmauer ab.

Das größte Einzelgebäude ist der imposante Fruchtkasten, heute Stadthalle. Der etwa 45 m auf 25 m große Bau diente als Speicherraum, Kelter und Weinkeller. Hier wurden Holzbehälter wie Fässer, Bottiche, Scheffel oder Kästen für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse gelagert, gereinigt und repariert. Der bereits kurz nach 1200 errichtete und 1580 umgebaute Fruchtkasten macht die wirtschaftliche Kraft des Klosters deutlich.

Das "Paradies"

Die Vorhalle der Klosterkirche, das Paradies, ist ein Meisterwerk der Frühgotik, entstanden um 1220. Da man den Namen des Architekten nicht kennt, gaben ihm die Bauforscher die Bezeichnung „Paradiesbaumeister“. Seine Werkstatt verwirklichte in Maulbronn einen der schönsten Räume der Frühgotik: weiträumig und mit noblen Proportionen. Hier beginnt die Auflösung der kompakten Wandpfeiler romanischer Zeit in einzelne Glieder – Einfluss der frühen Gotik Nordfrankreichs. Übrigens: Die Bezeichnung „Paradies“ für die Vorhalle ist 1288 zum ersten Mal urkundlich bezeugt.

Die Portale der Klosterkirche

Einmalig sind Haupt- und Nebenportale der Klosterkirche, die ältesten datierbaren Türen Deutschlands! Das Hauptportal aus Tannenholz gehört zur Originalausstattung der Kirche von 1178. Es hat kunstvoll gearbeitete schmiedeeiserne Zierbeschläge. Auf beiden Flügeln haben sich Reste der aufgeklebten Pergamentbespannung aus kompletten Tierhäuten erhalten, die ursprünglich rot bemalt waren.

Auf dem einflügeligen Südportal sind Türbeschläge in stilisierter Vogelform, Ziernägel als Schmuck und als Fixierung der Bespannung erhalten geblieben.

Die Tür des Nordportals mit alten schmiedeeisernen Bändern wurde ersetzt und mehrfach überarbeitet.

Das Maulbronner Kruzifix

Die romanische Chorschranke trennt den Mönchschor von der Laienkirche. Ursprünglich befand sich das Kruzifix auf dieser Chorschranke, heute steht es zwischen der Chorschranke und dem Altar der Laienkirche.

Das wuchtige Kreuz sieht aus wie ein roh behauenes, rissiges Holzkreuz; der relativ zierliche Körper Christi scheint an dieses Kreuz genagelt. In Wirklichkeit sind Kreuz und Körper aus einem gewaltigen Steinblock gemeißelt. Vor allem beeindruckt der Realismus in der Darstellung der Oberfläche und des leidenden Körpers – eine in dieser Zeit völlig neue Art der Darstellung!
Der Künstler hat sein Werk auf der Rückseite mit „1473“ datiert und mit „CVS“ signiert: möglicherweise der Meister Conrad von Sinsheim.

Das Chorgestühl

Das reich geschnitzte gotische Chorgestühl, das in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gefertigt worden ist, bot 92 Mönchen Platz. Die Seiten des Gestühls sind mit sehr lebendigen Reliefszenen aus der Bibel geschmückt: zum Beispiel eine Jungfrau mit Einhorn oder Moses am brennenden Dornbusch – also bitte genau hinschauen!

Der Meister dieser Schnitzkunst kommt aus dem Umkreis des berühmten Ulmer Bildhauers Hans Multscher. Übrigens gibt es noch andere „Schnitzkunst“ am Gestühl zu entdecken: Zahlreiche Schüler der evangelischen Klosterschule haben ihre Namen hineingeritzt.

Das Brunnenhaus

Es liegt am nördlichen Kreuzgang, dem Herrenrefektorium gegenüber. Das Brunnenhaus wurde von Bergquellen nördlich des Klosters mit Frischwasser versorgt und diente den Mönchen für die Reinigung, für rituelle Waschungen und für das Schneiden ihrer Tonsuren.

Im 13. Jahrhundert wurde das Brunnenhaus als kreisförmiger Zentralbau bis zur Brüstungshöhe hoch geführt. Um 1340/1350 kamen fünf Maßwerkfenster und die Einwölbung hinzu. Der Fachwerkaufbau stammt aus der Zeit um 1611, wohl nach Plänen des schwäbischen Baumeisters Heinrich Schickardt.

Die volle Schönheit des Brunnenhauses entfaltet sich im Inneren. Seit der Rekonstruktion von 1878 besteht der Brunnen aus drei Schalen und einem kegelförmigen Bleiaufsatz. Originell sind die Rötelmalereien im Gewölbe, hier vor allem die Szene zur Gründungslegende des Klosters: der am Brunnen trinkende Maulesel.

Das Herrenrefektorium

Das zweischiffige Herrenrefektorium war um 1230 fertig gestellt. Hier nahmen die Mönche ihre Mahlzeiten ein; zugleich bekamen sie während der Mahlzeiten religiöse Schriften zu hören – der Vorleser stand auf einer erhöhten Lesekanzel an der Ostwand. An der Westwand ist die ehemalige Durchreiche zur Klosterküche zu sehen.

Die Qualität der Steinmetzarbeiten und die riesigen Dimensionen – das Herrenrefektorium ist 27,20 m lang, 11,50 m breit und 10,40 m hoch – zeigen den Anspruch der Mönche auf einen repräsentativen Saal, der einer Königshalle durchaus würdig ist. Ein besonderes Raumerlebnis! Es lohnt sich auch der Blick auf die Details, zum Beispiel auf die feinen Ornamente und Figuren der Rötelmalereien im Gewölbe.

Öffnungszeiten

März bis Oktober
täglich 9.00 – 17.30 Uhr
November bis Februar
Di – So 9.30 – 17.00 Uhr

Führungen 11.15 und 15.00 Uhr;
Gruppenführungen nach Vereinbarung, auch in engl., franz., russ. und span. Sprache;
Sonderführungen laut Programm und nach Vereinbarung.

Hier finden Sie das Kloster Maulbronn

Weiterführende Links

verlag regionalkultur

Kloster Maulbronn